Denkmal für die digitale Revolution

Das Computerspielemuseum und die HTW Berlin stellen „Pong Memorial“ vor.

Das Computerspielemuseum hat zusammen mit der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin ein Denkmal der anderen Art entwickelt, das am 13.06.2015 im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt wird.

Wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte hat eine technische Entwicklung so schnell und grundlegend unsere Arbeits- und Lebenswelt im globalen Maßstab verändert wie die Digitalisierung. Dabei nahmen Computerspiele eine zentrale Rolle bei der Popularisierung und kulturellen Besetzung der neuen Technologien ein. Nicht nur, dass sie von Anfang an mit der Erfindung der Computer aufs Engste verbunden waren. Waren sie doch auch Anfang der 1970er Jahre die ersten Anwendungen, die Computer auch für Nichtspezialisten bedienbar machten. Angesiedelt an der Schnittstelle zwischen Computertechnik und den ganz normalen Menschen nutzten sie von Anfang an die Möglichkeiten, die die neue Technik bot, um urmenschliche Wünsche und Bedürfnisse aufzugreifen und zu verhandeln. Ein erster Eindruck von digitaler Kultur entstand, der bis heute und in Zukunft maßgeblich von Computerspielen weiterentwickelt werden wird.

„Wir fanden, dass diese revolutionäre Entwicklung ein Denkmal verdient hat“, sagt Andreas Lange, Direktor des Computerspielemuseums. „So wie wir bei unserer Gründung vor 18 Jahren die eingeführte kulturelle Vermittlungsplattform Museum mit dem neuem Medium Games verbanden, möchten wir auch mit unserem Denkmal eine etablierte Form des Gedenkens mit der für uns alle so wichtigen Entwicklung in Bezug setzen. Dass dabei mit Pong ein Videospiel im Mittelpunkt steht, liegt in der Natur der Sache.“

Mit dem „Pong Memorial“ genannten Denkmal, greift das Computerspielemuseum eine Ursituation der Ausprägung digitaler Kultur auf – war das einfache Tennisspiel 1972 doch das erste kommerziell erfolgreiche Videospiel.

Zusammen mit der HTW entstand im Rahmen des Forschungsprojektes Minerva die Idee, ein Denkmal zu entwickeln, das in seiner Gestaltung den digitalen Entwicklungen entspricht. Sind Denkmäler traditionell eher materiell und statisch ist das „Pong Memorial“ in seiner Ausprägung dynamisch und lädt zum Mitmachen ein. Konkret handelt es sich um ein Online Multiplayer Pong, das überall in der Welt aufgestellt und niedrigschwellig und unterhaltsam per Bewegungssteuerung gespielt werden kann. Alle Baupläne und Programme stehen zum freien Download bereit, so dass die Spielstationen überall in der Welt nachgebaut werden können, um sie an das Denkmal-Netzwerk anzuschließen. Ein weiterer Bestandteil ist eine Online-Datenbank, in der Menschen ihre Erinnerungen an Pong einstellen können, so dass diese Ursituation aus verschiedenen globalen Perspektiven dokumentiert und der Nachwelt erhalten wird.

Nach der Vorstellung der Prototypen im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften an der HTW ist die offizielle Einweihung des Denkmals im Sommer 2015 geplant, wenn neben einer Station im Computerspielemuseum eine zweite im Deutschen Technikmuseum aufgestellt sein wird.